Profilarbeit - Business Partner Ingenieurberufe

            Wir arbeiten für Ihr Profil 

 

Als Beraterin erleben meine Kollegin und ich laufend sehr auswertungswürdige Situationen. Gerne möchte ich Sie als Expertinnen und Experten dann und wann daran teilhaben lassen und freue mich über Ihre Sicht der Dinge.


AKA LMAA

oder: Dreifachgewendelte Eckbrüstung

"Herr Müller, haben Sie sich mal gefragt, wie diese dreifach gewendelte Eckbrüstung angebracht werden soll? Das sieht ja ganz interessant aus, aber mir fehlt die vernünftige Konstruktion! Soll das mit Kaugummi halten? Und überhaupt, es fehlt die Hälfte der Angaben, um das umsetzen zu können!"

So der Planungsbüro - Inhaber Herr Schmidt im Gespräch mit seinem angestellten Architekten Herrn Müller. Sie merken am Ton, das war nicht das erste Mal. 
Herr Müller ist selbstverständlich kommunikationsbereit und externalisiert als Antwort mehr oder weniger seinen inneren Dialog. Dieser reicht von: 

  • xxx (hier steht die Begründung, weshalb der Plan total klar ist und für die Ausführenden total klar sein sollte) 
  • über: Das ist nicht meine Aufgabe 
  • bis hin zu: AKA LMAA
Was ist hier passiert? Nichts Überraschendes, passiert jeden Tag im Planungsbüro. 
Ich versuche mal Erklärungsmodelle: Der Inhaber, Herr Schmidt, hat sich jemanden eingekauft, 
  • der umsetzbare Pläne einfach nicht erstellen kann; 
  • der umsetzbare Pläne nicht als Anforderung in seiner Aufgabenbeschreibung verstanden hat; 
  • der gar nicht den notwendigen Detailgrad hat, um in dieser Genauigkeit arbeiten zu können.

Und natürlich versuche ich auch Lösungen dafür zu finden: 
  • Wer Architektur studiert, sollte seine Detailgenauigkeit prüfen. Und gegebenenfalls die Finger vom Studium lassen. 
  • Im Recruitingsverfahren muss die für die ausgeschriebene Stelle notwendige fachliche Kompetenz genau geklärt werden - und auch die Anforderungen an die Detailkompetenz. 
  • Herr Müller hat sicherlich andere Talente, sonst hätten Sie ihn ja wohl nicht eingestellt, lassen Sie ihn etwas anderes tun.

Und hier ist die Auflösung 

Wie guter Kaffee zu

realistischer Bauplanung führt

Herr Schmidt (Unternehmensinhaber UI) war kurz davor, sich von seinem neuen jungen Mitarbeiter Herrn Müller (MA), zu verabschieden. Da er jedoch in den letzten Jahren einige Wechsel in seinem Büro hatte, ahnte er, dass er doch mal in eine andere Richtung schauen könnte, als der schnellen Einstellung und der schnellen Entlassung. 
 
Ein Kollege von Herrn Schmidt (UI) empfahl mich an ihn weiter und wir trafen uns zum Gespräch. Herr Schmidt (UI) verstand schnell, dass ich seinen neuen Mitarbeiter Herrn Müller (MA) weder zurechtbiegen konnte noch wollte. Ich bot ihm eine gemeinsame Ursachensuche an. Nach ein paar Tagen des Abwägens zwischen den vermuteten Potentialen des Herrn Müller und der Aussicht, wieder ein Bewerbungsverfahren in Gang setzen zu müssen, entschied er sich dafür, dass wir uns gemeinsam auf die Spurensuche begeben. 
 
In der Analyse mit Herrn Schmidt (UI) wurden Situation und Verlauf dann rasch klar. Es war eine Mischung aus unklaren und unausgesprochenen Erwartungen und mangelnden Absprachen. Der Ursprung für die bestehende Situation ließ sich schon im Bewerbungsverfahren finden. 
 
Die Stellenausschreibung hatte Herr Schmidt (UI) angefertigt, er greift hier langjährig auf Bausteine zurück. Das ganze Bewerbungsverfahren und auch die Einstellungsinterviews werden dann durch den zuständigen Projektleiter geführt. Im Falle des Herrn Müller (MA) führte das gesamte Verfahren der Projektleiter Herr Heinz (PL) durch. Herr Heinz entschied sich dann im Verfahren für den jungen Herrn Müller (MA).
 
Herr Heinz (PL) mag interessante graphische Lösungen und verschiebt die Machbarkeit gerne auf einen späteren Zeitpunkt. Dies muss er dann meist durch immensen Arbeitseinsatz, Anpassungen in der Ausführungsplanung, in der Bauleitung und durch Nachverhandlungen mit den Gewerken lösen.
 
Herr Heinz (PL) suchte Herrn Müller (MA) also nach dem Ähnlichkeitsprinzip aus und wählt jemanden, der die Dinge ähnlich wie er angeht. Eine weitverbreitete Falle im Bewerbungsprozess. Herr Müller (MA) ist also eigentlich genauso, wie Herr Heinz (PL) ihn sich gewählt hat. 
 
Er ist aber nicht so, wie Herr Schmidt (UI) ihn in seiner Stellenausschreibung skizziert hat. Herr Schmidt (UI) hatte in der Stellenausschreibung andere Qualifikationen in den Vordergrund gestellt. Unter anderem einen hohen Detailgrad, eine konsequente Ausführungsorientierung und die Bereitschaft, im weiteren Verlauf auch die Bauleitung in Projekten zu übernehmen. 
 
Herr Schmidt (UI) überträgt seinen Projektleitern nicht nur bei Stellenausschreibungen, sondern insgesamt viel Verantwortung. Da Herr Heinz (PL) jedoch ein paar Wochen krank war, musste Herr Schmidt (UI) in das Projekt einsteigen und die dreifach gewendelte Eckbrüstung wurde im frühen Stadium entdeckt. Ansonsten hätten sich der Projektleiter Herr Heinz und der junge Kollege Herr Müller mit viel Aufwand nach dem bisherigen Schema von Herrn Heinz (PL) durchgeholfen.
 
Im Beratungsgespräch ließ Herr Schmidt (UI) - nach der ersten Aufregung - die Unschuldsvermutung für den neuen Mitarbeiter Herrn Müller wieder gelten. Herr Müller (MA) wollte ihn weder ärgern, war auch nicht dem Irrsinn verfallen, noch reichte sein Intelligenzgrad nicht aus. 
 
Im Beratungsprozess reflektierte Herr Schmidt seine Rolle als Inhaber. Er überdachte sein Führungsverständnis, prüfte die Aufgabenverteilung zwischen ihm und seinen Projektleitern und beleuchtete sein Bewerbungsverfahren. Für Herrn Heinz (PL) und Herrn Müller (MA) formulierte er klare Erwartungen und Aufgaben. Dabei berücksichtigte Herr Schmidt (UI) die Kompetenzprofile seiner beiden Mitarbeiter, um ihre tatsächlichen und nicht die rein erhofften Potentiale auszuschöpfen.
 
Herr Schmidt (UI), Herr Heinz (PL) und Herr Müller (MA) machten sich damit vertraut, Ziele und Aufgaben SMART zu formulieren und zu erfragen. Dies bedeutet, sie kommunizieren sehr viel klarer, wo es hingeht und wie es dort hingeht. Klarer heißt hier, Ziele und Aufgaben müssen spezifisch (S) und dürfen nicht allgemein und beliebig sein. Die Ergebnisse müssen messbar (M) sein. Die einzelnen Aufgaben sind eindeutig und ausführbar (A) zu formulieren. Ziele und Aufgaben müssen realistisch (R) und erfüllbar sein. Kriterien für die erfolgreiche Erfüllung müssen formuliert werden. Für die Ziele und Aufgaben sind Termine einzusetzen, die auch kontrolliert werden (T). 
 
Herr Schmidt (UI) führte Einzelgespräche mit Herrn Heinz (PL) und Herrn Müller (MA). Auf der Grundlage SMART formulierter Ziele für ihren jeweiligen Tätigkeitsbereich, verhandelte er mit ihnen Erwartungen, Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten. Und ist sich darüber im Klaren, dass das Reden darüber nicht auch sofort zum Tun führt. Hier müssen neue Verhaltensweisen etabliert werden, die Wiederholung und Zeit brauchen. Herr Schmidt (UI) hat auch für sich erkannt, dass er sein Bewerbungsmanagement ändern muss. Er arbeitet nun mit uns und seinen Projektleitern Anforderungsprofile für auszuschreibende Stellen aus und etabliert ein an sein Unternehmen angepasstes Auswahl- und Entscheidungsverfahren. Er hat auch den Wert von Mitarbeitergesprächen erkannt und wird sich mit dem Thema beschäftigen.
 
Für den Projektleiter Herrn Heinz brachte das Gespräch mit dem Unternehmensinhaber auch eine Erleichterung. Letztlich verstand er, dass er seinen gestalterischen Anspruch  schon im frühen Stadium mit der Machbarkeit im Einklang halten muss - und auch darf. Ohne dass der Unternehmensinhaber ihn für unkreativ hält, wenn er die Ausführbarkeit in den Vordergrund stellt. Er verstand auch, dass der Stress der Anpassung in der Ausführungsplanung und der Bauleitung ihn sehr belastet und zur Krankheit führen kann. Darüberhinaus wurde er sich der Verantwortung für die Entwicklung des neuen jungen Kollegen Herrn Müller bewusst. Die Übertragung seiner Vorgehensweisen würde Herrn Müller (MA) zum einen weg von der Ausführung und zum anderen hin in die gleiche Überlastung führen. 
 
Der junge Mitarbeiter Herr Müller prüfte für sich, ob er sich auf eine höhere Fokussierung auf die Machbarkeit und die Aussicht auf die Bauleitung einlassen wollte. Der Projektleiter bot ihm mit Unterstützung durch Herrn Heinz (PL) an, dass er den Büroplatz wechselt. Für die weitere Projektbearbeitung würde er enger mit einem Kollegen zusammenarbeiten, der bereits langjährig erfolgreich in der Planung und Ausführung ist. Herr Müller entschied sich dafür und nahm auch gerne an einem unserer Trainingsangebote teil, dass seine Kommunikation und Haltung auf der Baustelle entwickelt. 
Die dreifach gewendelte Eckbrüstung hat er im Plan überarbeitet und es gab keine Probleme in der Ausführung. Allerdings fürchtet er sich vor seinem Geburtstag. Ihm wurde bereits ein T-Shirt mit signifikantem Aufdruck versprochen. Ich gestehe es. Von mir.
 
Und der Unternehmensinhaber Herr Schmidt kauft jetzt besseren Kaffee ein, da wir festgestellt haben, dass der schlechte Kaffee zu kurzem Aufenthalt in der durchaus ansprechenden Kaffeeküche geführt hat. Der bessere Kaffee führt jetzt zwar zu längeren Pausen in der Küche, aber auch zu durchaus mehr fachlichem und persönlichem Austausch und zu einer besseren Stimmung unter den Mitarbeitern. Auch ein interessantes Nebenergebnis im Beratungsprozess.
 
Wir freuen uns auf Fragen oder Kommentare!
 
Andrea von Allwörden
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Sabine Lipski
www.sabine-lipski.de/
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